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19. Juni 2022:

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Um 9:00 starten wir zu unserem ersten Ziel in Norddeutschland: Kiel.

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Bei bestem Wetter fliegen wir in 7000 ft bewusst sehr niedrig, da uns der Wind bereits in dieser Höhe kräftig entgegen bläst und weiter oben noch stärker wäre. Nach etwas über 2,5 Stunden sind wir bereits über dem Platz aber der Controller möchte, dass ich das „IFR-full procedere“ abfliege. Also noch weitere 10 Minuten bis zur Landung. Obwohl ein Sichtanflug ohne Probleme möglich gewesen wäre, ist es trotzdem wieder einmal eine schöne Übung, diesen Instrumentenanflug durchführen zu können.

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Kiel ist eine nette Hansestadt mit einer kleinen Altstadt. Uns hat aber total überrascht, dass die meisten Lokale bereits um 18:00 Uhr zusperren und spätestens um 20:00 Uhr werden die Gehsteige hochgeklappt – und dann gleicht die Stadt einer Geisterstadt!!!

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21. Juli 2022:

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Fast genau zwei Stunden benötigen wir für die knapp 700 km von Kiel bis Oslo. Das anfangs relativ schöne Wetter ändert sich rasch, als wir in die Nähe der Küste kommen: Unter uns tiefliegende Wolken und keine Sicht auf das Meer. Aber kurz vor Oslo bekommen wir einen schönen Blick auf die Stadt und Oslo Approach führt uns sogar relativ nahe an die Stadt heran, bevor wir IFR canceln und den Sichtanflug für Kjeller (der Airport für die General Aviation in Oslo) vorbereiten. Wie schon aus der Vorbereitung bekannt, gibt es an diesem Platz keinen Tower. Der gesamte Funk erfolgt also mit sogenannten „Blind-Calls“, und somit wissen alle anderen Piloten in der Gegend, wer sich wo befindet und was er vorhat. Für die Fahrt nach Oslo empfiehlt sich der Bus – die Station ist direkt am Flugplatz.

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Oslo, eine pulsierende Stadt, bietet eine Menge touristischer Attraktionen. Ein Muss ist der Besuch und eine Führung in der Oper. Der weiße, italienische Marmor der Fassade sieht von der Ferne aus wie ein Gletscher, der ins Meer fließt. Und gleich daneben befindet sich das Munch-Museum.

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Natürlich muss man auch das Königshaus, in dem die Königsfamilie auch tatsächlich lebt, und auch die Holmenkollen-Sprungschanze gesehen haben. Diese erreicht man nach einer halbstündigen Fahrt mit der U-Bahn. Empfehlenswert ist auch eine Fjord-Bootsfahrt mit seinen idyllischen Buchten und einem schönen Gesamtüberblick von Oslo und seinen Attraktionen.

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24. Juli 2022:

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Eigentlich sollte das nächste Reiseziel Bergen sein. Die Wettervorhersage für diese Stadt in den kommenden Tagen ist allerdings nur „Regen, Regen, Regen“. Somit beschließen wir, Bergen und Trondheim auszulassen und gleich direkt nach Bodo zu fliegen. Obwohl wir einen IFR-Flugplan haben, lassen uns die Controller über Trondheim einige Kreise zum Fotografieren drehen und anschließend direkt entlang der Küste zu unserem Ziel fliegen. Ein wunderschöner Flug mit Blick auf die unter uns liegenden Fjorde, der nur durch einige Wolken gestört wird, durch die wir hindurchmüssen.

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Bodo liegt bereits nördlich des Polarkreises (die Mitternachtssonne lässt uns kaum schlafen) und ist ein idealer Ausgangspunkt, um mit der Fähre die Lofoten zu besuchen.

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Die Wettervorhersage für diese Region ist allerdings auch nicht so berauschend, sodass wir nur eine Nacht bleiben und am nächsten Tag unser Ziel „Das Nordkap“ in Angriff nehmen. Ein „Must-See“ für Piloten ist allerdings das Luftfahrtmuseum in Bodo.

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Eine absolute Überraschung für uns ist die Security auf diesem großen Airport: Der Abstellplatz für die „Kleinen“ ist etwas vom Hauptgebäude entfernt. Und gleich neben diesem Abstellplatz gibt es einen Container, in dem ein Beamter sitzt. Als wir dort klopfen und nach dem Ausgang fragen, hat er uns direkt auf die Straße hinausgelassen. Auch die Rückkehr am nächsten Tag zum Flugzeug ist nicht anders: Wir gehen am Container vorbei direkt zu unserem Flugzeug – ohne irgendwelche Fragen bzw. Security-Checks. Und dies erleben wir auf JEDEM Airport in Norwegen, Schweden und Dänemark. Manchmal geht es eben auch auf Vertrauensbasis – eine große Hochachtung an diese Länder!!

25. Juli 2022:

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Die Wettervorhersage hatte leider recht. Beim Abflug in Bodo tiefhängende Wolken, kalter Wind und natürlich Regen. Es hätte ein wunderschöner Flug mit toller Aussicht werden können – wir tauchen aber bereits kurz nach dem Start in Regenwolken ein, fliegen bei Minusgraden dahin und sehen gerade bis zum Propeller. Wie auch bei den nächsten Flügen wäre dies ohne Enteisung der Flächen und des Propellers unmöglich. Erst kurz vor Hammerfest lichtet es sich und wir bekommen teilweise eine geniale Sicht auf die unberührte und trostlose Landschaft.

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Kurz vor dem Ziel kommt der ersehnte und erwartete Wetterumschwung: Am Nordkap herrscht blauer Himmel und strahlendes Wetter. Was wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen, es weht auch eisiger Wind! Ein paar Sightseeing-Runden um das Nordkap und dann geht’s zur Landung auf dem nördlichsten Airport Europas: Honningsvag. Dieser Airport hat zwar einen ziemlich gefinkelten Instrumentenanflug, wir beschließen aber einen Sichtanflug durchzuführen.

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In Honningsvag gibt es keinen Treibstoff für uns, auch sonst ist die Gegend nicht so einladend, dass man unbedingt ein paar Tage dort verbringen möchte (vor allem schlägt das Wetter innerhalb von Minuten um). Somit beschließen wir, einen kurzen Flug nach Alta zu unternehmen, wo es sowohl Treibstoff als auch etwas Zivilisation gibt. Und der Flug nach Alta? Wie vorhergesagt haben wir starken Gegenwind und wir tauchen zehn Minuten nach dem Start in Honningsvag in dunkle Regenwolken ein. Bis kurz vor der Landung sehen wir gerade bis zu unserem Propeller, dahinter ist es finster vom Regen – ein echter Instrumentenflug. Und dieser Regen hält mit ganz kurzen Unterbrechungen bis zu unserem Abflug an.

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27. Juli 2022:

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Der heutige Tag wird ein reiner Flugtag. Wir möchten endlich wieder in wärmere Gegenden und etwas mehr Zivilisation rund um uns. Der erste Teil nach Skelleftea in Nordschweden erweist sich als einer der anspruchsvollsten Flüge. Rund um uns türmen sich Gewitterwolken, das Stromscope zeigt auch die entsprechenden Blitzentladungen, und wir fliegen bei heftigem Gegenwind wie durch Slalomstangen zwischen diesen Türmen durch.

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Die Zwischenlandung zum Tanken in Skelleftea geht dank eines am Vortag gesendeten Mails extrem schnell. Nach 45 Minuten sind wir schon wieder in der Luft und unser Ziel „Stockholm“ rückt in greifbare Nähe. Je näher wir Stockholm kommen, desto mehr wird auch der Funkverkehr. Somit ist auch schon hier oben erkennbar, dass wir der Zivilisation näherkommen. Die „Hammar 9Y-Arrival“ mit anschließendem RNP-Approach zur Runway 30 führt uns mit herrlichem Ausblick direkt über das Zentrum der Stadt. Stockholm ist übrigens der einzige Airport auf unserer Reise, der Handlingpflicht hat, und auf dem man sowohl einen Arrival- als auch Departure-Slot benötigt.

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Wir sind froh, wieder etwas weiter im Süden zu sein und genießen einige Tage in dieser pulsierenden Stadt. Als Geheimtipp empfehlen wir auch einen Besuch der „Icebar“ in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofs. Bei minus sieben Grad kommt man in den Genuss feiner Getränke und kann sich von den sommerlichen Temperaturen etwas abkühlen.

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30. Juli 2022:

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Wir steuern der nächsten Hauptstadt entgegen: „Kopenhagen“. Solange wir uns im schwedischen Luftraum aufhalten, ist es ein völlig entspannter Flug. Doch mit dem Umschalten auf die Frequenz von Kopenhagen Approach wird plötzlich alles anders. Der Funk ist extrem schlecht verständlich und nur durch mehrmaliges Nachfragen verstehen wir die Anweisungen des Controllers, der uns im Anflug auf den Airport in der Gegend herumschickt. Der Airport Roskilde liegt übrigens relativ weit außerhalb der Hauptstadt und wird von Business-Jets und der General Aviation angeflogen. Die Landegebühren sind zwar sehr billig, dafür kann der Transport nach Kopenhagen etwas teuer kommen, wenn man das Taxi nimmt. Wir empfehlen daher unbedingt öffentliche Verkehrsmittel zu verwenden!

Kopenhagen ist eine entzückende und lebenswerte Stadt. In vielen kleinen Bars kann man sich vom Sightseeing ausrasten und anschließend wieder durch die kleinen Gässchen schlendern. Eines sollte man aber nicht verabsäumen: Eine Bootsfahrt durch die Kanäle der Stadt!

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Obwohl die gesamte Zeit in den nordischen Ländern wunderschön war, können wir uns an eines nicht gewöhnen: Die extrem hohen Preise. Nur ein Beispiel: Für eine kleine Vorspeisenplatte, zwei Fischsuppen, zwei Bier (0,4 l) und zwei Gespritzte (0,1 l) haben wir in Bodo 130 Euro bezahlt. Es vergeht einem mit der Zeit jeglicher Hunger und Durst!

1. August 2022:

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Die Wettervorhersage für den Start in Kopenhagen hat sich diesmal leider grundlegend getäuscht. Tiefhängende Wolken machen den Abflug wieder interessant. Bereits wenige Sekunden nach dem Abheben tauchen wir schon in die „Null-Sicht-Zone“ ein. Aber nach ca. 10 Minuten sind wir „on top“ und lassen die weiße Pracht unter uns. Diesmal gestatten wir unserem Flugzeug die Power auszuspielen, die in ihm steckt. Wir steigen bei herrlichem Sonnenschein auf 15000 Fuß und lassen die tiefliegenden Wolken weit unter uns. Jetzt zeigt sich die Kraft des Turbomotors: Mit über 200 Knoten sind wir in 1,5 Stunden in Danzig. Dass wir in dieser Höhe den Bordsauerstoff „schnüffeln“ müssen, ist selbstverständlich.

 

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Die Altstadt von Danzig ist einfach wunderschön. Aber nicht nur die Stadt hat uns fasziniert, sondern auch die Preise für Essen und Trinken. Hunger und Durst haben jetzt wieder einen berechtigten Platz im Leben, denen man auch getrost nachgehen darf! Ebenso sind die Lande- und Abstellgebühren für zwei Tage auf diesem wirklich sehr großen Airport ein wahres Paradies: 28 Euro!

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3. August 2022:

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Nach dieser erlebnisreichen, anstrengenden und wunderschönen Reise freuen wir uns wieder auf zuhause. Die letzte Hürde vor dem Flug muss allerdings noch gemeistert werden: Über Nacht wurde ein sehr großes militärisches Sperrgebiet im Nordwesten Polens aktiv, das nicht durchflogen werden darf. Der vorher bereits akzeptiere Flugplan wird somit kurzfristig abgelehnt und muss mit einem kräftigen Umweg neu erstellt werden. Aber auch in diesem Fall sind die Controller während des Fluges sehr hilfsbereit und lotsen uns auf kürzestem Weg um dieses Sperrgebiet herum, sodass sich der Umweg in Grenzen hält.

 

Fazit der gesamten Reise: Der Norden ist es unbedingt wert, einmal dort gewesen zu sein. Die beeindruckende Landschaft sucht ihresgleichen, ebenso wie die Freundlichkeit der Menschen. Für Piloten sind außerdem die Flexibilität und Hilfsbereitschaft der Controller ein wahres Paradies. Es gibt faktisch keinen Wunsch, der nicht erfüllt wird (außer es wäre gefährlich). Dass die Preise nicht denen entsprechen, die wir gewohnt sind, sollte man sich aber bereits im Vorhinein klar sein.

Etwas anders verhält es sich mit Polen: Es gibt sicherlich wunderschöne Städte, die es auch wert sind, besucht zu werden. Ebenfalls sind die Preise in diesem Land in etwa gleich den unseren. Von der Freundlichkeit der polnischen Bevölkerung sollte man sich aber nicht Zuviel erwarten. Bei Fahrten mit dem Taxi unbedingt vorher den Preis verhandeln und sich nicht wundern, wenn man bei überhöhten Angeboten die Antwort bekommt: „Sie wollen etwas von mir, nicht ich von Ihnen!“