Bangladesh

  • 08_nagpur_chittagong
  • 08b_nagpur_chittagong
  • dsc_0080

Es gibt sie noch, die Herausforderungen, die wirklich wilden und harten. Otmar hat sich schon so gefreut auf Abu Dhabi, denn da sollte es in der Ferrari World die schnellste Achterbahn der Welt geben. Leider haben wir keine Zeit gehabt, dorthin zu fahren. Aber heute ist er voll entschädigt worden. Die Fahrt am Abend mit unserem Driver stellt alles in den Schatten, was man sich abenteuermäßig vorstellen kann. Nicht der Driver war es, na ja, der auch, aber er hat sich einfach eingefügt in das Gewühl, durch das wir durch mussten. Die 12 km lange Fahrt vom Flughafen ins Hotel hat 1 1/2 Stunden gedauert, und wir haben den Mund nicht mehr zugekriegt vor Eindrücken, die unbeschreiblich sind. Wir sind in Chittagong, Bangladesch.

  • p1060223
  • p1060224

Lange sind wir gestern Abend und heute Morgen beisammengesessen, und haben geplant und das Wetter angeschaut. Wir hatten zwar eine Landegenehmigung für Bangladesch von Palm Aviation in der Tasche, aber die war gekoppelt an eine Handling Agentur die 2.500 USD verlangt hätte. Hubert Truntzer von Diamond Aircraft, den wir bereits am Sharjah Airport getroffen haben, und der einen Überstellungsflug nach Bangkok mit einer DA42 gemacht hat, hat uns allerdings viele gute Tipps hinterlassen. Entgegen aller Beteuerungen von Palm Aviation, ist eine Handling Agentur weder in Indien noch in Bangladesch notwendig - man kann sich alles selbst organisieren. Wir haben also den neuen Flugplan so ausgefüllt wie es Hubert empfohlen hat, und die Halsabschneider von der Handling Agentur abgemeldet. Glücklicherweise durften wir die Landegenehmigung behalten - Wir wären sonst nicht mehr weitergeflogen, so sauer waren wir. Nachdem das geklärt war, haben wir uns mit dem Wetter auseinander gesetzt. Genau dieser Bereich ist jetzt der sensibelste unserer Reise. Nach genauester Wetterberatung auf unseren Internetseiten und auch am Flughafen Nagpur, haben wir uns entschlossen, zu starten.

Im Cockpit war es ruhig und konzentriert, außer dem Funkverkehr gab es unsererseits nicht viel zu bereden. Hochkonzentriert starten wir in Nagpur und steigen auf Flugfläche 130. Zwischen sich auftürmenden Cumulus Wolken steuern wir Richtung Osten auf unser Ziel zu. Fast fünf Stunden Flugzeit stehen uns nun bevor. Wir haben wirklich Glück. Links und rechts unserer Route bilden sich beeindruckende Wolkengebilde zu bizarren und teilweise furchteinflößenden Formationen. Nach fast drei Stunden über und zwischen den Wolken überfliegen wir Kalkutta. Der Funkverkehr war hier eine wirkliche Herausforderung. Vorher sind wir fast 2 Stunden ohne Funkkontakt geflogen, und jetzt ist so viel los, dass wir keine Möglichkeit finden, in dieses Wirrwarr hineinzufunken. Und dann noch mit einem solch exotischen Kennzeichen wie Oskar Ecko Delta Uniform Romeo (OE-DUR) - damit kann hier niemand was anfangen. Zwischen „Turkish 234“ und „Lufthansa Cargo 06“ weiß keiner, warum wir hier herumfliegen, und noch dazu so tief.

  • dsc_0015
  • dsc_0019

Kalkutta haben wir geschafft, die nächste Aufgabe steht vor der Tür: Ziemlich schnell finden wir uns in einer schönen Cumulus wieder, und der Regen kommt nicht nur gegen das Fenster, sondern es blubbert auch bei der Windschutzscheibe aus dem Defrosterschlitz munter heraus. Der Flieger hat endlich seine längst notwendige Wäsche bekommen. Glücklicherweise war es wirklich nur ein kurzes Eintauchen. Aber trotzdem hat es uns ziemlich mitgenommen, denn die Gear-Warning hat auf einmal fürchterlich angefangen zu hupen und nicht mehr aufgehört. Nachdem wir unsere Wolke verlassen haben, checken wir alle Systeme und fahren auch mal das Fahrwerk aus, um zu sehen ob alles funktioniert. Es funktioniert! Nach ein paar Minuten ist das Hupen immer langsamer gekommen, bis es endlich abgestorben ist. Wahrscheinlich ist durch das Wasser ein Fehlkontakt ausgelöst worden. Der Anflug auf Chittagong war dafür wieder dementsprechend schön. Dass es wieder keine Vektoren gibt, macht uns nichts aus. Wir fliegen das Full-Procedere, den VOR ILS DME Approach, und genießen den Blick aus dem Cockpit auf den Hafen und die hundert Boote im Ganges Delta.

  • dsc_0059
  • dsc_0072

Kaum am Boden angelangt, stürzt sich schon der erste Agent auf uns. Schnell machen wir ihm klar, dass wir alles selbst machen werden. Und siehe da, es funktioniert besser als erwartet. Die freundliche Begrüßung von allen Seiten irritiert uns sogar. Aber jeder ist wirklich bemüht, uns zu helfen. Verschreien wir‘s nicht. Vielleicht kommt das dicke Ende noch, aber bis jetzt hat alles wunderbar funktioniert. Der Flieger ist getankt, und die Landegebühren etc. bezahlt (USD 17,--) Gleichzeitig erfahren wir, dass der Flughafen die letzte Woche wegen des Monsuns die meiste Zeit ohnehin geschlossen war.