Bekanntschaft mit dem Monsun

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Der Wake-Up Call war um 5:30 Uhr bestellt, und um 4:45 Uhr hat bei Herbert das Telefon geläutet. Halb benommen wird die Uhr kontrolliert und in der Rezeption angerufen, wie spät es denn sei – „4:45 Uhr“ die korrekte Antwort. Also eine Beschwerde, warum so bald angerufen wird. Die Rezeption stellt sich dumm. Ha, aber nicht mit Herbert! Er dreht sich noch mal um und genießt die paar Minuten noch im Bett.

Otmar ist auch sauer. Er wartet schon eine halbe Stunde und hat immer noch keinen Anruf gekriegt. Dabei ist es schon fast 6 Uhr. Also runter zur Rezeption und eine Beschwerde, warum denn nicht angerufen wird. Der verdutzt dreinblickende Mitarbeiter sieht auf die Uhr und meint, es wär ja erst 5 Uhr. Jetzt dämmert’s: Otmar hätte den Herbert doch noch nicht anrufen sollen.

Die Taxifahrt vom Hotel zum Flughafen - wie immer ein Erlebnis. Mit offenem Mund fahren wir durch eine unglaubliche Gegend, untermalt von einem 3-dimensionalen Konzert aus Hupen, Geruch und Gedränge. So bald in der Früh hält sich alles aber doch noch eher in Grenzen, und wir kommen zügig am Flughafen an. Manchmal wünschen wir uns fast einen kleinen Stau, denn sobald der Fahrer eine freie Fahrbahn erkennt, wird sofort Vollgas gegeben. Das erscheint uns dann wirklich gefährlich zu werden.

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Diesmal sind wir offiziell eingereist in Chittagong. Also haben wir heute auch eine offizielle Ausreise am Flughafen vorgenommen. Beim letzten Besuch sind wir ja mehr oder weniger durch die Hintertür ins Land gekommen. Aber auch die offizielle Ein- und Ausreise ist total problemlos. Dass unser Gepäck am Flughafen offiziell durch den Scanner muss, ist ja klar. Dass das Gerät aber gar nicht funktioniert, stört hier wohl niemanden.

 

Man wird herumgereicht und sofort findet sich jemand, der einem weiterhilft und einen fehlenden Stempel irgendwo besorgt. Wichtig ist bei allem, sich mal gemütlich hinzusetzten und zu reden. Irgendwie geht dann alles wie von selbst.

Mit einer Stunde Verspätung starten wir dann aber bei wirklichem Sauwetter - MONSUN. Schon die paar Meter zum Flugzeug genügen, um durch und durch nass zu sein.

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Uns machen die paar Tropfen nicht viel, aber unsere alte Lady, unsere OEDUR, scheint hier ein bisschen zickig zu werden. Gleich nach dem Abheben möchte das Garmin 430 nicht mehr mitfunken. Wir hören zwar noch die Funksprüche, aber nicht unser Gesprächspartner. Also wird Comm 2 aktiviert und dort weitergequasselt. Der weit größere Schmarrn ist aber wieder mal unser Autopilot. Nach 30 Minuten sagt auch der „Good bye“ - und das mitten in der Soße. Wir sind nicht sehr begeistert, aber wir entschließen uns weiterzufliegen. Diejenigen, die die OEDUR kennen, wissen dass es nicht einfach ist, den Flieger auf Kurs zu halten. Man ist ständig am Kurven und Trimmen - und das alles bei wirklichem Sauwetter, wo es rauf und runter geht. Walter hat heute den Jackpot gezogen und darf durch die Achterbahn lenken. Die Qualität der Funkfrequenzen ist in dieser Gegend eher nicht zum Besten gestellt, und so sind wir wieder mal eine Zeitlang ohne Funkkontakt unterwegs. Auf der Höhe von Kalkutta hören wir dann eine AUA Maschine mit einem perfekten österreichischen Englisch. Sofort kommt die Anfrage, ob ein Relais notwendig ist. Schon sind wir mit Thomas und Rudi im Gespräch, und auf der Quasselfrequenz 123,450 wird noch ein wenig Fliegerlatein ausgetauscht. Nach fünf Stunden Flugzeit bekommen wir in Nagpur endlich unser „Cleared for full Approach“ - das heißt wieder mal ein DME Arc. Ist ja kein Problem wenn der ILS funktioniert, aber er geht wirklich nicht - das kommt angeblich in Indien manchmal vor! Kein Localizer will hereinkommen, also wird nach GPS der Kurs von 324 Grad zur Piste hin geflogen, und irgendwann kommt tatsächlich eine Piste zum Vorschein.

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Ölsardinen, Streichwurst, Salamistangerl und Dosenbrot. Nach der Landung wird jetzt mal ausgepackt. Weder Frühstück noch Mittagessen und auch mit dem Trinken sind wir eher sparsam. Darum nutzen wir die Zeit bis uns jemand in Empfang nimmt, und starten eine gemütliche Jause am Leitwerk unserer DUR.

Jetzt lassen wir uns mal überraschen, wie es ohne Ground-Handling funktioniert. Wir haben ja alles abbestellt, denn die horrenden Summen, die hier abverlangt werden, sind wir nicht mehr bereit zu bezahlen. Nach der Landung kommt gleich Indian Oil Cooperation und fragt, ob wir tanken wollen. Ja klar. Angeblich ist aber kein AVGAS bestellt. Beim letzten Mal haben wir ja bereits ein Fass bezahlt und zur Seite stellen lassen, ein weiteres haben wir per Email geordert. Aber leider ist der zuständige Mitarbeiter nicht mehr da und keiner weiß irgendwas. Nachdem klar geworden ist, dass wir darauf bestehen, sofort betankt zu werden, funktioniert‘s auf einmal. Alles ist da. Am Anfang ist alles unmöglich, schön langsam wird’s doch möglich, und am Ende ist alles selbstverständlich.

Der Tower selbst gleicht mehr einer Baustelle. Trotzdem ist man auch hier bemüht, uns zu helfen und den Flugplan für den nächsten Tag in Empfang zu nehmen, sodass unserer Weiterreise nichts im Wege steht.

So wie überall findet sich aber sofort eine Unmenge an Leuten ein, die einem weiterhelfen wollen. Es wird sich um alles gekümmert, und man ist wirklich bemüht, uns irgendwie zu helfen. Das Hotel wird organisiert und ein guter Preis ausgehandelt. Manche nehmen für ihre Dienste ein kleines Bakschisch gerne an, manche - so wie heute - wollen nicht mal dran denken. Wir sollen uns in Indien einfach wohl fühlen und einen guten Eindruck mit nach Hause nehmen. Und es ist wirklich so. Anfangs haben wir viele Bedenken gehabt, durch Indien zu fliegen. Jetzt können wir uns vorstellen, dieses Land auch mal intensiver zu bereisen.

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