Flug nach Persien

  • 15_dubai_isfahan
  • dsc_0521

Ganz verzweifelt schaut uns Abbas Hosseini an, und auch wir stehen ziemlich betreten neben unserem Flieger. Herr Hosseini hat uns am Flughafen in Esfahan in Empfang genommen. Er ist unser Ground Handling Agent und sollte sich um uns kümmern. Als er nach unserem Einreise-Visum fragt, fällt uns das Unterkiefer auf den Brustkorb. An alles haben wir bei den Vorbereitungen gedacht. Auch ein Email an die iranische Botschaft hat der Herbert noch abgeschickt. Von dort ist allerdings keine Antwort gekommen, und irgendwie ist der Visa-Antrag untergegangen. Jetzt sind wir also in einem Land gelandet, in dem es mit Visa schon außerordentlich kompliziert ist, einzureisen.

  • dsc_0396
  • dsc_0397

Zu unserer Runde gesellen sich nach und nach einige Flughafenbeschäftigte und es wird ausgiebig diskutiert. Lautstark und mit viel Kopfschütteln wird herumgefuchtelt. Dann fragt uns der Airportmanager von Iran Air Mr. Ghoreishi nach unseren Reisepässen. Mit diesen fährt er jetzt mal ins Hauptgebäude. Er versucht irgendwie, eine Einreisegenehmigung für uns zu erhalten. Das wird aber mindestens 4 bis 5 Stunden dauern. Wir beratschlagen uns kurz und sehen unsere einzige Chance, ehestmöglich wieder in den Flieger zu steigen, nach Täbris und dann in der Nacht noch weiter in die Türkei zu fliegen, weil wir keine 4 bis 5 Stunden sinnlos am Flughafen verbringen wollen. Während unser Flieger vollgetankt wird, erscheint Herr Ghoreishi und bittet uns, mit ihm ins Auto zu steigen und mitzukommen. Mit einem mulmigen Gefühl im Magen fahren wir gemeinsam in ein abseits gelegenes Flughafengebäude. Dort angekommen, wird noch ein wenig diskutiert, und ein paar Minuten später haben wir auf unserer selbst gestrickten General Declaration einen Stempel, der Gold wert ist.

Mit diesem Zettel in der Hand sind wir nunmehr offiziell im Iran eingereist, und wir können angeblich damit auch wieder ausreisen. Wir können es nicht fassen. Wieder werden wir durch eine Hintertür aus dem Flughafengebäude begleitet. Keine Kontrolle, keine Immigration, kein Zoll, rein gar nichts wird von uns verlangt. Ganz im Gegenteil, wir werden mit Tipps und Ratschlägen für unseren Aufenthalt hier überhäuft. Unser Hotel wurde gebucht und das Taxi organisiert.

Von der Landung bis zum Taxi sind genau 2 Stunden vergangen. So schnell waren wir noch nie!

Gestern haben wir einen wohlverdienten Ruhetag eingelegt, und heute der Abschied aus den Emirates - es war wieder typisch für dieses Land. Wir haben alles bereits im Vorfeld organisiert und heute Morgen gleich beim Cashier bezahlt. Die Beträge für die Crew Busse waren nicht auf der Rechnung, jetzt haben wir noch nachgefragt, was mit ihnen ist. „Alles OK, wir können sofort starten.“ Wir sind ja gebrannte Kinder und wollen vermeiden, dass wir startklar im Flieger sitzen und noch mal raus müssen, um irgendwas zu erledigen. Also gehen wir vorsichtshalber noch ins Operation Office und fragen auch dort noch mal nach. Es wird herumtelefoniert: „Alles OK“ - Wir können sofort starten. Raus zum Flieger, alles eingeräumt, und gerade als wir die Türen schließen, kommt ein Fahrer mit dem Auftrag, einen von uns in Operation Office zu bringen, denn es sind noch die Crew Busse zu bezahlen. Mit hochrotem Kopf erledigt Walter dies.

  • dsc_0201
  • dsc_0205

Endlich können wir abheben in ein neues Abenteuer. Der Flug nach Persien steht am Programm. Mit gemischten Gefühlen steuern wir in ein Land, das uns nur durch negative Berichterstattung geläufig ist. Iran Air Defence wird kontaktiert und nun führt uns die Route über eine eigenartige Bergwelt mit Gipfeln bis über 3000 m Höhe. Der Sauerstoff wird nun unser nächster Wegbegleiter.

Nach einem ruppigen Flug in der Thermik der Landschaft erhalten wir die Landefreigabe nach einem DME Arc für die Piste 25R. Wir haben uns schon daran gewöhnt, dass wir überall das volle Procedere abfliegen dürfen - und das wiederum ohne Autopilot. Der hat uns endgültig die kalte Schulter gezeigt. Wir tun das jetzt auch und lassen uns nicht mehr davon beeindrucken.

  • dsc_0407
  • dsc_0426

Esfahan liegt mit 1650 m auf Traunsteinhöhe, trotzdem haben wir 38 Grad Außentemperatur. Glücklicherweise ist es eine trockene Hitze und somit auch gut verträglich. Herr Hosseini begleitet uns noch ins Hotel ABBASI. Das Hotel selbst gehört schon zu den Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Ein alter Palast wurde als Hotel hergerichtet. Es ist ein riesiger beeindruckender Hotelkomplex mit dementsprechenden Innenhöfen. Trotz der Größe hat das Hotel seinen Charme beibehalten, und wir fühlen uns pudelwohl in dieser Umgebung.

  • p1060568
  • p1060571

Einen Einblick in die persische Küche bietet unser heutiges Abendessen in einer märchenhaften Stimmung im größten der Innenhöfe. Alles was wir heute auf den Teller kriegen, schmeckt zwar eigenartig, aber doch ausgesprochen gut. Ein unvergesslicher Abend in einer lauen Sommernacht.

Gleich nach der Ankunft wollen wir natürlich sofort die Sehenswürdigkeiten der Stadt wie den Imam-Platz (früher Königsplatz) und die 33-Bogen-Brücke (Si-o-se pol) anschauen.

Kaum aus dem Hotel gekommen, werden wir schon angesprochen. Somali, eine junge Iranerin wollte ihr Englisch aufbessern, hat uns sofort ein Stück begleitet und uns einiges aus der Geschichte der Stadt erzählt.

Generell sind die Leute sehr kontaktfreudig und interessiert - woher wir kommen und was sich außerhalb vom Iran tut. Die Englischkenntnisse sind eher bescheiden, aber jeder versucht, die paar Brocken, die er kann, mit uns auszutauschen.

Alles in allem sind wir hier nur positiv überrascht worden. Es wäre wirklich schade gewesen, wenn wir keine Aufenthaltsgenehmigung erhalten hätten.

  • dsc_0476
  • dsc_0498
  • dsc_0445
  • dsc_0447